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Proletarität und Revolutionstheorie(1)

Zu den Konstitutionsbedingungen und der Beschaffenheit revolutionärer Subjektivität

I. Einleitung

„Überall gleich ist die Qualität: wir sind alle proletarisiert oder wir haben gute Aussichten, es zu werden. Was tun die traditionellen >>Revolutionäre<<? Sie verkleinern die Stufen so, dass einige Proletarier nicht mehr Proletarier als andere sind. Welche Partei hat das Ende des Proletariats in ihrem Programm?“ (Raoul Vaneigem, S.I., Basisbanalitäten II)

Die welthistorische Niederlage der Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert gipfelte in ihrem totalen Versagen vor dem Nationalsozialismus angesichts der Vernichtung der europäischen Juden. Das Scheitern vor der „konformistischen Revolte“ (Horkheimer) und dem Antisemitismus hat den „geschichtlichen Beruf des modernen Proletariats “ (Marx)(2) zur Disposition gestellt: die Beendigung der menschlichen Vorgeschichte durch die Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen. Seit dem Zusammenbruch des „Realsozialismus“ scheint die kapitalistische Produktions- und Lebensweise endgültig ihren weltweiten Triumphzug angetreten zu haben. Mit der Durchsetzung der Subsumtion nahezu aller Lebensbereiche unter die Erfordernisse der Kapitalakkumulation hat sich ein scheinbar totaler Verblendungszusammenhang konstituiert. Seit dem einst prosperierenden „consumer capitalism“ hat sich das Alltagslebens der Proletarisierten als privat-isolierte Monaden monotonisiert, während die spektakulär gewordene Warenproduktion potentiell radikale Bedürfnisse manipuliert oder domestiziert. Dem entspricht die Verdrängung des modernen Elends der proletarischen Lebenssituation und die Ausblendung der Möglichkeiten des bestehenden Reichtums. Die Kehrseite dieser Verdrängung ist der Verlust des geschichtlichen Bewusstseins von den vergangenen Klassenkämpfen und den revolutionären Anläufen zu einer Konstituierung des Kommunismus als der „wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt“ (MEW 3, S. 35). Diesen Zustand der modernen Weltgesellschaft kritisierte die Situationistische Internationale ihrerzeit als „Gesellschaft des Spektakels“. Mit dem Zurückweichen der ehemals vorherrschenden „fordistischen“ Produktionsformen, den ihnen entsprechenden „tayloristischen“ Produktionsmethoden (monoton-repetitive und bürokratisch überwachte Arbeitsprozesse, strenge Arbeitsdisziplin, absolute Trennung körperlicher und geistiger Arbeit) und der wohlfahrtsstaatlichen Sozialpartnerschaft verändert sich auch die Gestalt der Klasse, „die ihr eigenes Produkt als Kapital produziert“ (MEW 23, 675). Im Prozess seiner Neuzusammensetzung ist das Proletariat atomisiert, bewusstlos, desorganisiert und zur schärfsten Konkurrenz gezwungen. Es erscheint nicht einmal als Klasse an sich.(3) Den Rest des Beitrags lesen »

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